Die EuroPride 09 hat jetzt auch einen TV- und Kino-Spot … Darin entsteigt eine etwas in die Jahre gekommene Drag Queen dem Bauch eines schlafenden Mannes und macht den Nachttisch zum Broadway. Die nicht zwingend sprichwörtlich gemeinte Botschaft der Werbeagentur TBWA\ZÜRICH: In uns allen steckt ein bisschen “schwul-schwul”!
Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO längst Überfälliges beschlossen und Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Weltweit wird seither der 17. Mai als Internationaler Tag gegen Homophobie gefeiert.
Homosexualität ist aktuell in rund 70 Ländern strafbar; in sieben Ländern (Iran, Nigeria, Sudan, Jemen, Mauretanien, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten) werden homosexuelle Handlungen mit dem Tod bestraft.
Auch wenn Homophobie im Vergleich zu vielen anderen Ländern weniger gravierend ist, bleibt sie auch bie uns in der Schweiz ein Problem: Sie zeigt sich vor allem im Alltag, in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Bezeichnend ist die Verwendung des Begriffs “schwul” als Schimpfwort. Betroffene leiden erheblich an ihrer homophoben Umwelt - dies besonders ausserhalb der urbanen Zentren. Und noch immer liegt die Selbstmordrate von homosexuellen Jugendlichen weit über dem Durchschnitt. Auch kam es in den letzten Jahren in der Schweiz vermehrt zu homophob motivierten Gewaltvorfällen.
Am Vortag des Tages gegen Homophobie - Moskau war bereits im Eurovision Song Contest-Fieber - wurde in der russischen Hauptstadt der Versuch mit einer Parade Menschenrechte für Schwule und Lesben einzufordern von der Polizei gewaltsam beendet. Noch immer sind Schwule in Haft - darunter auch der Pride-Organisator Nikolai Alekseev. “Nun ist Zivilcourage gefragt”, meinte der schwule Politiker Volker Beck in Deutschland und forderte die Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten auf, gegen das Vorgehen der russischen Behörden zu protestieren.
Reagiert hat scheinbar einzig Guildo Horn. Er sagte im von der ARD aus Hamburg übertragenen Countdown: “Ich muss sagen, auch ich bin ein bisschen aufgeregt, weil ich habe heute ein paar Bilder aus Moskau gesehen. Wenn eine Schwulen- und Lesbendemo irgendwie zusammengeknüppelt wird, ist das nicht meine Welt. Das will der Grand Prix nicht, das wollen wir alle nicht. Der Grand Prix steht für Artenvielfalt, und der Grand Prix ist bunt … Hört auf mit dem Scheiss!” …
Eigentlich war es ja dann nicht erstaunlich, dass während des Song Contest keinerlei solidarische Hinweise oder Andeutungen zur Solidarität mit Schwulen und Lesben in Russland zu sehen waren. Auch nicht vom schwulen Oscar Loya, der für Deutschland auf der Bühne stand. Obschon er in seiner glänzenden und knallengen Hose und dem offenen Hemd “geil” aussah, verlor er gleich zweimal …
Gewonnen hat den 54. Eurovision Song Contest übrigens der norwegische Sänger Alexander Rybak. Der 23-jährige gebürtige Weissrusse gewann mit Rekordvorsprung mit seinem Song “Fairytale” - auf deutsch Märchen … Ob Schwule und Lesben in Russland noch an Märchen glauben können?
Die Sendung zum Internationalen Tag gegen Homophobie im gayRadio …
Kurz nach Start der Moskauer GayPride twitterte der britische Schwulenaktivisten Peter Tatchell er, Pride-Organisator Nikolai Alekseev und weitere 20 Aktivisten seien in Moskau verhaftet worden.
Fernsehbilder zeigen, wie die Polizei die Kundgebung auflöst. Der Reporter sagt dabei, dass die Teilnehmer sofort verhaftet worden seien und in Bussen weggebracht wurden. Weitere Bilder zeigen eine Gegendemonstration von nationalistischen und religiösen Gruppen. Diese Demonstration wurde - anders als die Slavic Pride - von den Behörden bewilligt. Offensichtlich ist es zu keiner Gewalt der Gegendemonstranten gegenüber den Teilnehmern der Pride gekommen.
Zum Abschluss unseres Besuches des Various Voices in London machte ich zusammen mit Ruth Blöchlinger, Luc van Lieshout (singt im Schwubs mit) und Thomas Röthlisberger im gayRadio einen ausführlichen Rückblick auf das schwulesbische Festival …
Mit dem Taxi zum City Airport, mit CityJet nach Paris, mit der Air France nach Genf und jetzt noch mit dem Zug nach Bern … Wegen dem Umweg via Paris wurde Tag relativ lang!
Und wir sind ganz traurig, dass unser Ausflug nach London schon vorbei ist.
Abschlussabend am Various Voices und der letzte Tag in London - morgen früh geht es zurück in die Schweiz …
Während des Abschlussabends in der Royal Festival Hall feierten sich vor allem die Organisatoren selber. Schade sind dabei die Chöre aus all den anderen Ländern etwas untergegegangen. So sangen die obligatorische Hymne zum Schluss des Festivals die einheimischen Chöre - unterstützt vom London Gay Symphony Orchestra - alleine.
Unser Abschlusskonzert heute Nachmittag stand unter dem Motto: “Best of British”. Es sangen Gay Abandon (aus Yorhshire), der Brighton Gay Men’s Chorus und der Lesbian and Gay Chorus (aus Manchester). Für den Chor aus Manchester standen über 100 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne.
Ach ja, das touristische Programm von heute verbrachten wir staunend im riesigen Harrods.
Die Hymne vom Various Voices 2009 - gesungen heute Abend während der Abschlussveranstaltung …
Trotz vielen Konzerten am Various Voices haben wir uns heute noch etwas Zeit für Sehenswürdigkeiten genommen. So bummelten wir über die London Bridge, guckten uns die St. Paul’s Cathedral an und spazierten über die Millenium Bridge und der Themse zu den Konzertenlokalen.
Wir besuchten heute am Various Voices zwei Konzerte mit den Philhomoniker aus München, Mélo ‘Men aus Paris, Tapalanote aus Brüssel, Warme Wellen aus Aachen, Mannenkoorts aus Holland und Männer-Minne aus Berlin.
70 Männer singen im 1994 gegründeten Chor aus Paris mit. Entsprechend gewaltig tönte die Darbietung des Mélo ‘Men. Meine persönlichen Höhepunkte waren der holländische A-cappella-Chor Mannenkoorts und Männer-Minne.
Männer-Minne aus Berlin heute Nachmittag am Various Voices mit ihrem Schlampen-Medley …